AUS DER PRESSE

 

"Grandioser Auftakt für Gosau-Classic-Music.

Die erste Ausgabe eines Kammermusikfestivals von internationalem Rang ist gelungen

 

 

2013    international gesehen musikalisch von Giuseppe Verdi und Richard Wagner regiert; heuer jährt sich deren Geburtstag zum 200. Mal. Nur ein kleines Dorf ganz im Süden des Salzkammergut leistet Widerstand, verzichtet auf Verdi, Wagner, ja sogar auf Mozart, Schubert und Strauß – und tritt leise mit einem Festival klassischer Musik ins Rampenlicht, das auch bedeutenden musikalischen Metropolen zur Ehre gereichen würde.

 

In Gosau fand kürzlich ein Reigen kammermusikalischer Konzerte statt, bei denen musikalisches Können und familiäres Ambiente in eine ausnehmend charmante Symbiose eintraten. Dazu kurz die Vorgeschichte: Das Ehepaar Ljubov und Kirill Ogarkov stammt aus Moskau und hat sich in Gosau niedergelassen. Mit den Eltern Kirills, dem Künstlerehepaar Svetlana Bogino und Vladimir Ogarkov, beide hervorragende Pianisten, wurde die Idee geboren, das musikalische Leben der Dachsteingemeinde zu bereichern. Örtliche Entscheidungsträger wurden eingebunden, Kontakte zur heimischen Musikwelt geknüpft und in Cousin Konstantin Bogino fand sich ein international erfolgreicher Intendant. Sein Vorschlag war es, ein Festival der Kammermusik zu veranstalten, und seinen guten Kontakten ist die gelungene Mixtur von berühmten, arrivierten Künstlern und außerordentlichen Nachwuchstalenten geschuldet.

 

Zwischen Donnerstag, 7. März, und Sonntag, 10. März, standen Werke von Rachmaninov, Tschaikowsky, Rimsky-Korsakov, Strawinsky, Debussy, Ravel, Saint-Saens, Poulenc, Franck und Satie auf dem Programm. Schon die Aufzählung der Namen informiert über zwei Sachverhalte: Erstens: Ein Programm mit russischem und französischem Schwerpunkt. Und zweitens: Musikalisch sicher keine Kinderjause, sondern ganz schön anspruchsvoll. Da nützte es auch wenig, dass sich fast verschämt Robert Schumann, Frederic Chopin und Gustav Mahler in die Komponistenliste „eingeschlichen“  hatten, denen in Übrigen ja beileibe ebenfalls kein Gassenhauer-Image anhaftet.

 

Da ist die Frage durchaus legitim, ob sich bei einem solchen Programm auch Publikum einfindet. - In Gosau, das nicht zu Unrecht mehr mit Skifahren und Wandern als mit Musik der klassischen Moderne assoziiert wird. Die Frage ist legitim, die Antwort leicht gegeben: Es hat! Das Publikum hat sich eingefunden – und zwar von Abend zu Abend in größerer Zahl, bis am Sonntagabend fast der Saal des Kulturzentrums zu klein geworden wäre. So haben in Summe ca. 500 Menschen klassische Konzerte von höchstem Niveau genossen. Und die meisten von ihnen haben auch die fabelhaft kreative Inszenierung des „Karneval der Tiere“ von Camille Saint-Saens gesehen.

 

Dass Elisabetta Fiorini, die heute in Lucca eine viel beachtete Tanz- und Theaterschule leitet, dereinst bei Konstantin Bogino Klavier studiert hat, erklärt ihre Mitwirkung am ersten Gosauer Festival klassischer Musik. Auch die Anwesenheit der zehn Musikerinnen und Musiker, die diese Vorstellung begleitet haben und die üblicherweise in Konzertsälen von Weltrang auftreten, hat mit Freundschaft und familiären Banden zu tun. Für die Besucher in Gosau, ob nun am Nachmittag im Rahmen des Kinderkonzerts oder am Sonntagabend, stand jedenfalls fest, dass ihnen eine derart kreative Mischung von tänzerischer Akrobatik, Humor und musikalischer Virtuosität vielleicht überhaupt noch nie, bestimmt aber nie an diesem Ort begegnet war.

 

Fotos

01: Bürgermeister Gerhard Gamsjäger und das Künstlerehepaar Svetlana Bogino und Vladimir Ogarkov eröffnen Gosau-Classic- Music am 7. März im Kulturzentrum

 

02: Das Tschaikowsky-Trio, bestehend aus Pavel Vernikov, Violine, Konstantin Bogino, Klavier, und Alexander Chaushian, Cello. Ihre Interpretation von Tschaikowskys Trio Opus 50, das dieser zum Gedenken an seinen toten Freund Nikolai Rubinstein schrieb, war der musikalische Höhepunkt des ersten Abends. Das Werk ist Tschaikowskys ‘Pathétique’ im Kammermusikbereich und erstaunt nicht nur durch seine äußeren gewaltigen Dimensionen (ca. 50 Minuten Spielzeit für die drei Sätze), sondern auch durch seine riesige Ausdrucksfülle vom Elegischen über Verspieltes bis hin zum Grandiosen.  Pavel Vernikov spielte dabei übrigens auf einer wertvollen Guadagnini-Geige aus dem Jahr 1747.

 

03: Cesar Fancks Klavierquintett bildete Höhepunkt und Abschluss des zweiten, des französischen Abends am Freitag, 8. März. Pavel Vernikov, Violine, Konstantin Bogino, Klavier, Svetlana Marakova, Violine, Vladimir Mendelssohn, Viola, und Cellist Alexander Chaushian interpretierten das schwierige Werk so, wie es wohl vom verliebten Komponisten gedacht war: ungestüm, leidenschaftlich, pathetisch – und technisch brillant.

 

04: Gustav Mahlers Quartettsatz o. 67 wurde von  Svetlana Marakova, Violine, Viktor Bogino, Klavier, Vladimir Mendelssohn, Viola, Alexander Chaushian, Cello, interpretiert.

 

05: Die Sopranistin Miomira Vitas ist Gewinnerin zahlreicher internationaler Gesangswettbewerbe; daneben auch studierte Physikerin und Astronomin. In Gosau sang sie Lieder von Nikolai Rimsky-Korsakov und Igor Strawinsky, einmal begleitet von Konsantin Bogino, ein anderes Mal vom jungen Viktor Bogino.

 

06: Fedor Kossy, erst 12 Jahre alt, ist Musikstipendiat der russischen Regierung und wurde für das Konzert extra aus Moskau eingeflogen. Er gestaltete das Kinderkonzert am Sonntagnachmittag mit und brillierte mit dem „Nocturne“ Nr. 4 Cis-Moll op. 19 von Tschaikowsky und anspruchsvollen Werken von Frederic Chopin.

 

07: Impressionen von der grandiosen Vorstellung des Ballett „Fuorichentro“, choreografiert von Elisabetta Fiorini, einer italienischen Künstlerin. 4 Tänzerinnen und zwei Künstlerinnen, die das Schattenspiel bedienten, verwandelten das Gosauer Kulturzentrum in einen Karneval der Tiere."